Traum


July 29th, 2010

Schwarzes Puder

Wie häufig, träumt mir von den Wegen zwischen Parties, den Verabredungen dorthin, das Ankommen, Reinkommen und Wiedererkennen von Orten und Leuten. Diesmal ist es zunächst ein Stück von Dahlem oder einer anderen Wohngegend, die von einer breiten Verkehrsschneise jäh begrenzt wird. Das könnte auch Stockholm oder Preßburg sein. Aus den spärlich beleuchteten Seitenstraßen tritt man auf die sehr helle Ringstraße, es ist fast wieder Tag, zumindest noch Dämmerung, während über die Wohnsträßchen schon oder noch Finsternis hereingebrochen oder noch hangen war. Ich erreiche eine Verkehrsinsel, Schmargendorf, Bilk. Da steht und sitzt aufgereiht eine Gruppe von vielleicht zehn Partypeoplepersons. Auf den weißen Schalensitzen sticht ein Mädchen besonders heraus: Sie ist pechschwarz geschminkt, schwarz gepudert, daß es staubt; man kann die hübschen Gesichtszüge erahnen. Ich weiß nicht mehr, wie hier die Verwicklung mit der Gruppe und mit dem Mädchen abläuft, doch später, auf der Party, und noch später, bei ihr, lerne ich sie besser kennen, ohne schwarze Schminke, ohne Kleidung. Wenigstens an das Haus ihrer Familie, an die breite Treppe, kann ich mich erinnern, und an ihren Körper, der, für einen Traum seltsam, weder besonders reizte noch besonders realistisch einen gekannten Körper nachzumachen versuchte. Einfach ein schlanker Mädchenhintern, der an mir vorbei die Treppe hinaufhuscht. Erinnerungsbilder von dem gemeinsamen Fußweg weg von den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich glaube, ich wußte, wie man zu Fuß zu einer anderen Party kommt. Eine Zeitlang geht das gepuderte schwarze Mädchen verloren, ist weg, wird vermißt, kommt doch hoffentlich nochmal wieder, noch mal vor? Anders als in anderen Träumen, wo verlorengegangenes Personal nicht später doch wieder eingestellt wird, ist sie, nachdem ich mich vielleicht ausreichend nach ihr gesehnt habe, zurück! Der Partyort wäre lokalisierbar, auf der Köpenicker Straße.

Anstoßen mit der Queen

Das Mädchen bringt mich auf ein Familienfest der besenderen Art. Ich komme zum Höhepunkt des Traums. An einem Tisch feiert eine sehr bekannte Familie höchsten Ranges einen Anlaß, der immerhin wichtig genug ist, daß eine Liveshalte zu einem in Afghanistan stationierten Sohn eingerichtet ist. Seitlich am Tisch sehen wir auf einem Bildschirm diesen Windsor im Kreise seiner Kameraden. Frau Windsor selber sitzt mir genau gegenüber und ist froh, daß man sich mit mir locker unterhalten kann, ohne daß der etwas fremde Gast, ich, zu eingeschüchtert ist. Ich übernehme es, ein Grußwort an den Enkel in Afghanistan zu formulieren, daß alle Anwesenden zutiefst rührt und auch die Jungs auf dem Bildschirm zu glühenden Dankesschwüren bringt! Ich weiß nicht mehr so genau, was ich gesagt habe, geschweige denn wie, aber der Erfolg der Rede ergriff auch mich ungemein, so daß ich mich bei den Windsors eigentlich wie zu Hause fühlte. Ärgerlich war nur der völlig bekleckerte Hemdsärmelrevers. War es Johannisbeergelee oder ein Kirschkompott, jedenfalls verteilte sich das Zeug ums ganze Handgelenk herum, jedoch nur auf dem Hemdstoff, während der Jackenärmel und auch die Handgelenkeshaut verschont blieb. Das vorher schwarz geschminkte, schwarz staubende Mädchen tröstete mich über das Malheur hinweg, indem sie auf die anderen Gäste verwies: Die haben auch alle das gleiche Problem. Und siehe da, die andren Gentlemen hatten auch alle rotes Gelee, Gelee ja, aber gut haftendes Gelee, am Ärmel und wußten nicht, wie sie es unauffällig wieder loswürden. Später, am Folgetag vielleicht, es war hell, ein trüber Tag, Ausblick auf einen Park, wie es sich gehört, ah, etwa die Höhe wie vom Hochzeitsfest von J. und V., waren ungefähr fünf bis zehn Menschen zugegen, die, neben gepackten Koffern, auf die Vervollständigung ihrer Abreisegruppen warteten. Ich zog mir, ohne mich um deren Gegenwart zu kümmern, ein frisches Unterhemd an. Dabei suchte ich nach verlorengegangenen Kleidungsstücken; mir fehlte das meiste, auch die Schuhe. Auch von dem schönen Mädchen mit dem pechschwarzen Puder fehlte jede Spur.

Sackkarre

Warum und wem ich diese Sackkarre geklaut habe, ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls rolle ich damit eine ziemliche Fracht, ich glaube Kunstutensilien, vor mir her, mitten durch die kleine Wallstraße in Düsseldorf. Ich trage ein weißes Hemd mit Abnähern an den Schultern, damit geht’s leichter. Am Carschhaus habe ich sie dann schon wohl irgendwo abgeladen, die Fracht, wohin sie gehörte. Die Sackkarre habe ich aber noch und will sie nun irgendwo abstellen und unterbringen, um sie dann später, wenn ich entweder mehr Zeit habe, oder wenn wieder Werktag ist, dem Besitzer zurückzubringen. Ich überlege, wohin damit: Kunstakademie, oder ein Atelier in Flingern. Ich entscheide mich für letzteres, komme aber vom Weg und der Traum vom Thema ab. Die Sackkarre spielt keine Rolle mehr, ist verschwunden, statt dessen sitze ich an der Haltestelle vor dem Carschhaus und grüble, was ich zuerst in Angriff nehmen soll, eine vor mir erscheinden ideale Malerei oder eine Erlauchtform der Dichtung, nämlich solche mit gottgeschenkter neuer Handlung, also dem tatsächlich Neuen auf dieser Welt. Im Traum fühle ich mich gehoben, zwischen zwei ungeheuren Wahrheiten, die beide alleine erstrebenswert genug wären, wählen zu dürfen und sie beide haben zu können. Denke ich. Dann ist es aber plötzlich eine Weinsuche, eine Ateliersuche, und zudem schient jemand verstorben zu sein. Wirr geht’s durcheinander, auch die Sackkarre ist wieder mit auf der Agenda. Im Viertel hinterm Hofgarten, das sich mit dem Viertel südlich der Hackeschen Höfe baulich vermischt, finde ich mehrere Orte wieder, es ist von hier an ein ständiges Wiederbesuchen, die mit der Weinsuche, dem Auffinden eines bestimmten Ateliers und dem Tod eines bestimmten Menschen in Verbindung stehen. Die Architektur dieser Gebäude, die Glasarchitektur, – ich kann aber ohnehin hindurchsehen –, und vor allem die äußerst stylishe Einrichtung in einer Mischung aus Sechziger und Contemporary, dunkle Hölzer, tolle Möbel, phantastische Proportionen, lassen mich bewunderselig oder neidisch werden. Imaginäre Besitzer dieser perfekten Wohnungen erscheinen als Imaginiertes im Traum, auch selten! Ich überquere die Oststraße, auch hier wieder ein gläsernes Parterre im selben Stil, als ob der Traum einen neuen Anlauf nimmt und eine ähnliche Wohnung wie vorher nun noch perfekter abbilden wolle. In dem schlanken Gebäude setze ich, die erste Etage ersteigend, meine Suche fort. Was suche ich noch mal? Wohin mit der Sackkarre? Hier erfahre ich von einer Mitarbeiterin, Assistentin, Verkäuferin, wo ich das Atelier finde, das ich doch unbedingt finden wollte. Sie sagt Flingern, es ist aber Unterbilk, und genauer, der Wiederbesuch eines Traumes. Diesen Schauplatz hatten wir schon mal, es ist ein riesiges Feierareal, das in dieser Form in Düsseldorf gar nicht existiert. Hier hat mein Traumleben schon mal eine Party geschmissen. Die Elemente der Bar 25 mit einem Open Air x oder y und den halblegalen Strandbuden am Düsselbeach hinterm Hafen zu einem utopischen Partyort vereinen. In dem Traum davor war auch der Gastgeber eine wichtige Figur, diesmal nicht, ich komme auch gar nicht am Zielort an sondern verirre ich mich in einem anderen Atelierhaus, treffe auf der engen Treppe diverse Leute, und keines der gesuchten Dinge wird gefunden, und niemand weiß, wie es um die Sackkarre stehen mag.